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Der Teilzeit-Chef: Warum Unternehmen bei Führungsposten umdenken müssen – und wie es funktioniert

Nach einem Interview das Katharina Schneider von der HuffPost mit Ursula Vranken (IPA) führte, ist dieser Artikel erschienen:
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Folgend die wichtigsten Informationen aus dem Artikel:

Immer im Dienst, immer erreichbar, immer da. In etwa so sieht das traditionelle Bild eines Chefs aus. Es geht nichts unter einer 60-Stunden-Woche. Delegiert, entscheidet, hat Verantwortung, coacht seine Mitarbeiter.

Mit Work-Life-Balance oder einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat das klassische Führungsmodell allerdings reichlich wenig zu tun.

Unternehmen sollten umdenken, sagt die Expertin Ursula Vranken. Sonst könnten sie bald massive Probleme bekommen

Den Preis wollen nur noch wenige junge Menschen zahlen.
Ein mögliches neues Modell ist Führung in Teilzeit. Väter und Mütter hätten mehr Zeit für den Nachwuchs, beide Elternteile könnten arbeiten. Doch noch ist das für die meisten Unternehmen unvorstellbar.

“Veraltetes Weltbild ist schuld”

“Natürlich geht Führung in Teilzeit – wer behauptet, das gehe nicht, will an alten Zöpfen festhalten” sagt Personalberaterin Ursula Vranken von der Personalagentur IPA der HuffPost.

“Das Problem entsteht aus einem veralteten Weltbild heraus, einer Logik, die besagt, Führung habe etwas mit Anwesenheit zu tun.” In Wahrheit habe das Chef-Sein jedoch viel mehr mit Delegation und vor allem Vertrauen zu tun, sagt Vranken.

“Wenn man sich den Alltag vieler Führungskräfte anschaut, führen die meisten in Teilzeit – die Zeit, in der sie sich wirklich mit Mitarbeitern beschäftigen, beträgt oft weniger als 30 Prozent”, sagt Vranken. Den Rest der Zeit würden sie mit Firmenpolitik, Meetings, Dienstreisen oder Fachaufgaben verbringen. Etwas, das durchaus nicht jede Führungskraft machen muss.

Tandem-Modell oder weniger Arbeitsstunden?

Vorstellbar sind zwei Modelle: die Arbeitsstunden zu reduzieren oder die Stelle auf zwei Personen aufzuteilen. Tandem-Modell nennt sich das. Bei einer Stundenreduzierung wird die Anzahl der Stunden der Führungskraft reduziert.
Vranken ist der Meinung, 20 Stunden seien zu wenig, eine Reduktion auf 30 Stunden sei aber bei den meisten Führungskräften auf jeden Fall machbar.

Das Tandem-Modell sieht vor, die Vollzeitstelle – im Optimalfall – auf zwei 50-Prozent-Stellen aufzuteilen. In der Realität lasse sich das jedoch schlechter regeln, sagt Vranken. Denn: Je mehr Stellen, desto höher die Personalkosten für ein Unternehmen – besonders für Mittelständler sei das nur schwer zu stemmen.

Neue Mitarbeiter sind teuer

Natürlich mag es kurzfristig oft einfacher erscheinen, eine Führungsposition neu zu besetzen, anstatt eine Regelung für eine Teilzeit-Besetzung zu finden. Denn: “Führung in Teilzeit benötigt eine gute Abstimmung und Kommunikation im Team”, sagt Vranken. Auch eine gute Planung von Anfang an ist wichtig.

“Nicht nur ein Frauenthema”

“Wenn Unternehmen Führung in Teilzeit anbieten, dann ist das für sie ein absoluter Vorteil”, sagt Vranken. “Denn immer mehr gute Experten verzichten auf eine Führungsposition – der Preis ist ihnen unter den heutigen Umständen viel zu hoch.”

Allerdings dürfe das Thema nicht nur aus der weiblichen Sicht gedacht werden, warnt Vranken. “Es ist fatal, das Thema Führung in Teilzeit nur als Frauenthema zu sehen. Es muss für Männer und Frauen eine Option sein.”

Nur so schaffe man den dringend benötigten Paradigmenwechsel, den sich zunehmend auch Väter wünschen.

Es laufe alles auf eines hinaus: “Unternehmen sind dazu gezwungen, sich neue Führungs-Modelle zu überlegen. Sonst können sie bald massive Probleme bekommen. Momentan ist die Bereitschaft allerdings noch sehr gering.”

 

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