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Digital Natives- bessere Führungskräfte?

„Sind Digital Natives die besseren Digitalführungskräfte, nur weil sie in die digitale Zeit geboren sind?“
So fragte kürzlich der Vizepräsident des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft (BVDW), Harald Fortmann. Und ich frage mich bei Lesen der Überschrift, ob schon einmal ernsthaft darüber debattiert wurde, ob Führungsqualität in einer direkten Korrelation zum Geburtsdatum liegt. Digitale Ureinwohner – wie Wikipedia „Digital Natives“ übersetzt – sind also diejenigen, die in die digitale Welt hineingeboren wurden. Im Gegensatz zu den „Digital Immigrants“, die diese Welt erst kennenlernen mussten. Eine Welt, die ganz selbstverständlich geprägt ist durch Computerspiele, E-Mails, Internet, Mobiltelefone oder Instant Messaging und allen Weiterentwicklungen davon. Soweit so gu in der Beschreibung der Gegensätze.

Was genau versteht der Fragende aber unter „Digitalführungskräfte“? Auch Harald Fortmann bleibt eine echte Antwort darauf schuldig. Das Angebot reicht von „Führung von Unternehmen in Zeiten des digitalen Wandels“ über „Führungskräfte, die sich um Digitales kümmern“. Letztere sollten übrigens ein technisches Grundverständnis mitbringen, rät Fortmann. Darüber hinaus sollte man bei ihrer Auswahl herausfinden, ob der- oder diejenige die „digitalen Veränderungen umarmt“. Denn schließlich stehen diese Führungskräfte „vor der operativen Herausforderung, sowohl non-digitale als auch digitale Felder zu bestellen“.

Ich kann zwar digital – aber kann ich auch führen?
So sehr man auch erahnen mag, worum es in der Ausgangsfrage als auch in der ausführlichen Beantwortung eigentlich geht – so sehr verwirren die neuen Wortschöpfungen, die sich um den Begriff Digital ranken. Und gehen dabei komplett an der eigentlichen – durchaus interessanten – Frage vorbei: Sind Vertreter der jungen Generation (gerne auch Generation Y genannt) die besseren Führungskräfte, weil sie jung und damit von Grund auf vertraut mit den Gegebenheiten unserer heutigen, digitalen Welt sind? Weil sie sich nicht ständig über die „neuen Möglichkeiten“ wundern müssen und deshalb mehr Zeit haben, die Vorteile, die sie bieten, ganz intuitiv und selbstverständlich zu nutzen. Sicherlich liegt darin unbestritten ein Vorteil. Den diese Generation eben auch dazu nutzt, neues Business zu schaffen. Neue Unternehmen zu gründen. Dabei können sie sich oftmals sehr sicher auf ihre Fertigkeiten und Expertise verlassen. Und schwupps – plötzlich boomt der Laden. Das Produkt funktioniert, die Idee findet Gleichgesinnte, Abnehmer, Nachahmer. Und schon ist man mitten drin im Wachstumsprozess. Und nun? Ist es an der Zeit, sich mit den Konsequenzen unternehmerischen Wachstums auseinanderzusetzen. Um diesen Prozess erfolgreich zu bestehen. Sich selbst und der eigenen Organisation eine Strategie und eine Struktur geben, kulturelle Leitbilder formulieren, neue Mitarbeiter integrieren und eine eigene Leadership Exzellence finden.
Keine leichten Aufgaben. Erst recht nicht, wenn das Tempo solcher Wachstumsphasen in der heutigen Zeit enorm zugenommen hat. Ob der eingetragene Geburtstag im Personalausweis hilft, sich für diese Aufgaben zu qualifizieren, darf bezweifelt werden. Da stimme ich Herrn Fortmann dann am Ende doch zu: Diejenigen, die in die digitale Welt hineingeboren wurden oder werden, sind nicht automatisch bessere Führungskräfte als die Generationen davor. Andersherum auch nicht.